«2018 ist ein Meilenstein für Molecular Partners»

«2018 ist ein Meilenstein für Molecular Partners»

Das Biotechunternehmen Molecular Partners, Zürich-Schlieren, erwartet für 2018 entscheidende Daten aus klinischen Studien. Im Gespräch mit «Evolvere» spricht Thomas Schneckenburger* (Bild), der externe Investor Relations-Verantwortliche von Molecular Partners, über die Risiken der klinischen Forschung und verrät, wie man im Bereich von komplexen Branchen wie der Biotechnologie erfolgreich kommuniziert.

Thomas Schneckenburger, was macht Molecular Partners?
Thomas Schneckenburger: Molecular Partners ist ein Biotechunternehmen im klinischen Stadium, das eine neue Klasse von Therapien entwickelt, sogenannte DARPin® Therapien. Das Unternehmen entstand 2004 aus einem Spin-off der Universität Zürich. Mit einer klaren Ausrichtung auf die Ophthalmologie und Onkologie verfügt Molecular Partners über eine Pipeline an Wirkstoffen in verschiedenen Stadien der klinischen und präklinischen Entwicklung und einigen weiteren in der Forschungs- und Entwicklungsphase. Verschiedene Gründungswissenschaftler des Unternehmens sind auch heute noch im Managementteam vertreten und ziehen weitere Talente an, welche die Leidenschaft für die Entwicklung bahnbrechender Medikamente für schwere Krankheiten teilen. Diese Kultur an motivierten Wissenschaftlern, kombiniert mit dem Gründerteam, ergänzend gewonnenen externen Experten sowie einem sehr erfahrenen, renommierten Board ist einzigartig. Sie ist auch einer der Pfeiler, warum das Unternehmen weiter wächst und nun schon rund 120 Mitarbeitende beschäftigt.

Was sind die DARPin® Therapien?
Thomas Schneckenburger: Die patentrechtlich geschützten DARPin® Therapeutika sind eine neuartige Klasse von Protein-Therapeutika, die sich insbesondere durch ihre Multifunktionalität auszeichnen. DARPin® Kandidaten sind potent, spezifisch und sicher in der Anwendung. Man kann – bereits heute schon bis zu sechs von ihnen miteinander kombinieren zu einem sog. Multi-DARPin®. Diese bilden dann quasi ein „molekulares Team“, das mehrere Zielmoleküle gleichzeitig bekämpfen kann und daher sehr vielseitig einsetzbar ist. Diese Eigenschaft ist eine klare Differenzierung gegenüber herkömmlichen monoklonalen Antikörpern oder anderen verfügbaren Proteintherapeutika. Mit ihrem guten Sicherheitsprofil, ihrer geringen Immunogenität und ihrer langen Halbwertszeit im Blutkreislauf und im Auge haben die DARPin® Therapien das Potenzial, die moderne Medizin voranzubringen. Die Behandlung von schweren Krankheiten wie beispielsweise Krebs oder die Sehkraft einschränkenden Erkrankungen verbessert sich deutlich. Die patentrechtlich geschützte DARPin® Technologie ist für Molecular Partners ein schneller und kostengünstiger Motor für die Entdeckung und Entwicklung neuer Medikamente.

Wie hat sich Molecular Partners in den zehn Jahren von der Gründung im Jahr 2004 bis zum Börsengang von 2014 finanziert?
Thomas Schneckenburger: Molecular Partners geht Forschungs- und Entwicklungspartnerschaften mit führenden internationalen Pharmaunternehmen ein und wird von etablierten Biotech-Investoren unterstützt. Die Partnerschaften mit den Pharmaunternehmen und die hieraus resultierenden Kooperations- und Meilensteinzahlungen ermöglichten es beispielsweise, dass Molecular Partners über die ersten zehn Jahre nach der Gründung einen positiven Cashflow aus der Geschäftstätigkeit erwirtschaftete. Dies ist für ein neu gegründetes Biotechunternehmen ein aussergewöhnlicher Leistungsausweis.

Welches sind aussichtsreiche Medikamente?
Thomas Schneckenburger: Molecular Partners kooperiert mit Allergan um die klinischen Programme in der Augenheilkunde voranzutreiben. Der am weitesten fortgeschrittene globale Produktkandidat in dieser Partnerschaft ist abicipar, das sich derzeit in der Zulassungsphase (Phase 3) befindet. Überdies entwickelt das Unternehmen intensiv die eigene Pipeline von DARPin® Wirkstoffkandidaten in der Onkologie. Hier befindet sich das am weitesten fortgeschrittene systemische DARPin® Molekül MP0250 in einer klinischen Studie zum Multiplen Myelom – aktuell in Phase zwei. Dieses Molekül wird zusätzlich für die Behandlung von soliden Tumoren in einer sogenannten Phase-1b/2-Studie bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs NSCLC evaluiert. MP0274, der zweite wesentliche DARPin® Wirkstoffkandidat in der Onkologie, hat ebenfalls bereits die Phase eins der klinischen Entwicklung erreicht. Auch in der Immunonkologie verfügt Molecular Partners über eine wachsende Forschungspipeline, die auf der „DARPin® Toolbox“ aufbaut. Aus dieser Toolbox ist mit MP0310 aktuell das erste DARPin® Molekül in die präklinische Entwicklung eingetreten. MP0310 zeichnet sich durch eine auf den Tumor beschränkte Aktivierung spezifischer Immunzellen aus, was systemische Nebenwirkungen vermeiden sollte.

Was erwarten Sie für 2018?
Thomas Schneckenburger: 2018 ist für das Unternehmen ein wichtiger Meilenstein: Mitte des Jahres steht die Auswertung der Daten von 1‘800 Patienten aus Allergans Phase 3 Studie von abicipar an. Zudem erwarten wir den Start einer weiteren Phase 3-Studie für abicipar in einer weiteren Indikation, dem Diabetischen Makula Ödem: DME. Neben erwarteten klinischen Daten für MP0250 beim Multiplen Myelom wird der Wirkstoff auch im nicht-kleinzelligem Lungenkrebs getestet. Zudem sollte es erste klinische Sicherheitsdaten für MP0274 und präklinischen Daten für MP0310 geben. 2018 ist somit ein sehr intensives, spannendes Jahr für das Unternehmen.

Was sind die Risiken des Scheiterns all dieser Studien?
Thomas Schneckenburger: In klinischen Studien testet man Hypothesen und nicht jede Studie führt zum Erfolg. Unsere Strategie beruht darauf, bekannte Wirkmechanismen substantiell zu verbessern. Mit diesem Ansatz nimmt das Risiko ab, da die Biologie bekannt ist. Risikofrei ist unsere Forschung aber natürlich nicht. Auch wenn wir guten Mutes und selbstbewusst in die Zukunft schauen, so wird es auch für Molecular Partners früher oder später klinische Studien geben, die nicht erfolgreich sind. Für einen solchen Fall ist es unsere Aufgabe, zu schauen, dass unser Unternehmen gut aufgestellt, die Pipeline breit und vielversprechend diversifiziert und die finanzielle Substanz stark ist.

Was bedeutet der Standort Schweiz für Molecular Partners?
Thomas Schneckenburger: Die Schweiz ist unser Heimatmarkt und Schlieren ist aktuell noch der einzige Standort des Unternehmens. In der Schweiz wurde das Unternehmen als Spin-off der Universität Zürich gegründet und das Gründer- und Managementteam stammt grösstenteils aus der Schweiz. In Schlieren, dem neuen Biotech-Hub der Schweiz, befinden sich in unserer Umgebung weitere prominente Biotech- und Pharmaunternehmen. Diese Nähe zu möglichen Partnern, den wichtigen Forschungseinrichtungen, Universitäten aber auch zu führenden Spitälern ist ein grosser Standortvorteil. Die Schweiz und insbesondere auch der Raum Zürich ist eine der attraktivsten Regionen der Welt. Dies ist ein grosser Vorteil bei der Gewinnung neuer, internationaler Talente für unser wachsendes Unternehmen.

Was bringt Ihnen die Kotierung an der Schweizer Börse?
Thomas Schneckenburger: Die Aussagen zum Standort Schweiz gelten natürlich auch für die Auswahl des Börsenplatzes. Zudem verspürten wir in der Schweiz grossen Support unter den lokalen institutionellen Investoren. Somit war der Börsengang an der SIX Swiss Exchange die logische Entscheidung. Die Kotierung ermöglicht uns zusätzliche Visibilität – national und international. Wir sind Teil von diversen lokalen und globalen Indices und somit indirekt von passiven Investitionsvehikeln und es gibt einen mehr oder weniger liquiden Markt für Investoren und potenzielle Investoren in unseren Titeln. Die Kotierung ermöglichte es unseren Venture Kapital-Gebern, ihre frühen Tranchen zu platzieren und somit unser Aktionariat breiter und international zu diversifizieren. Notabene bedeutet die Schweizer Kotierung nicht, dass bei einer erfolgreichen Umsetzung unserer Pläne und Strategien in Zukunft nicht noch eine weitere Kotierung im Ausland hinzukommen könnte.

Wie sind die globale Investor Relations, Unternehmenskommunikation und Medienarbeit bei Molecular Partners AG organisiert?
Thomas Schneckenburger: Molecular Partners ist noch immer ein sehr junges Unternehmen, auch wenn wir nun schon bereits mehr als drei Jahre an der Börse sind. Rund 90 Prozent der Mitarbeitenden sind in der Forschung und klinischen Entwicklung aktiv. Ihr Ziel ist es, Produkte zum Wohl der Patienten zu entwickeln und möglichst rasch erfolgreich an den Markt zu bringen. Die administrativen Bereiche werden so schlank und effizient wie möglich gehalten. Seit dem Börsengang bezieht Molecular Partners deshalb externen Support für die Kommunikation, Medienarbeit und Investor Relations. In den USA verfügt Molecular Partners vor Ort noch über weitere Unterstützung für die Betreuung der lokalen Finanzgemeinde.

Bleibt es immer bei der externen Lösung der Kommunikationsaktivitäten?
Thomas Schneckenburger: Da die Pipeline und die Organisation des Unternehmens weiter stark wachsen und Molecular Partners mittelfristig auch nachhaltige Umsätze erwirtschaften sollte, macht eine schrittweise Integration dieser wichtigen Unternehmensfunktion Sinn. Denn die Kommunikation und Investor Relations sind für Molecular Partners zentrale Bausteine der weiteren Entwicklung des Unternehmens. Zumal es um weit mehr geht als die Kommunikation mit dem Finanzmarkt und den Medien. Genauso wichtig sind die Transparenz, die externe Visibilität und der regelmässige Dialog mit weiteren zentralen Anspruchsgruppen. Diese sind beispielsweise die Mitarbeitenden, zukünftige Talenten, existierende und neue strategische Industriepartner oder aber auch die Wissenschaft und medizinische Zentren. Und sobald Molecular Partners eigene Produkte auf dem Markt haben wird, spielen natürlich auch die Produktkommunikation und das Marketing eine zentrale Rolle für die Unternehmenskommunikation und deren Ausgestaltung.

Wie setzen Sie die EQS-Technologie ein?
Thomas Schneckenburger: Wir setzten die EQS-Technologie für den Versand unserer Medienmitteilungen und ad-hoc Mitteilungen ein. Dies sichert uns den professionellen, regulatorisch korrekten Versand relevanter Nachrichten an den Finanzmarkt und die am Unternehmen interessierten Zielgruppen. Wir können uns auf die Inhalte und Botschaften der Mitteilungen konzentrieren und wissen, dass wir uns auf das Format, die Technik dahinter und falls nötig die Unterstützung der EQS-Mitarbeitenden verlassen können.

Wie nutzen Sie die elektronischen Sozialen Medien?
Thomas Schneckenburger: Auch hier gilt: Trotz der mittlerweile bereits rund 120 Mitarbeitenden hält das Unternehmen den administrativen Bereich so schlank und effizient wie möglich. Denn der Schwerpunkt liegt im Bereich der klinischen Entwicklung und in der Forschung. Solange wir noch keine Produkte am Markt haben, mit denen wir regelmässigen und nachhaltigen Umsatz generieren können, werden wir auch keine substanziellen Pläne und Strategien in den Sozialen Medien verfolgen. Selbstverständlich behalten wir aber die Entwicklungen auf diesem Gebiet im Auge. Einhergehend mit dem Erreichen unserer Zielsetzungen wird sich unser Einsatz in diesem Bereich erhöhen.

Zum Schluss: Wie kommuniziert man im Biotechbereich erfolgreich?
Thomas Schneckenburger: Biotechnologie ist komplex und genau deshalb zählt in diesem Umfeld die persönliche Beziehung doppelt. Vorab gilt es, zu hohe Versprechungen, die später nicht eingehalten werden können, zu vermeiden. Als Unternehmen im Biotechbereich ergibt sich zudem eine besondere Herausforderung, da diese Branche spezialisiert ist. So sitzt man in einem Gruppenmeeting einerseits Investoren mit einer wissenschaftlichen oder medizinischen Ausbildung gegenüber und muss deren Spezialfragen präzise beantworten. Rechts und links von diesen sitzen dann allenfalls „Generalisten“, die sich mit rund 200 verschiedenen Schweizer Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen auseinandersetzen müssen. Deren Aufmerksamkeit verliert man rasch, wenn es in die Tiefen der Biologie von Tumorzellen oder von Blutgefässen im Auge geht. Für solche Investoren muss man die Komplexität der „Molecular Partners Story“ auf die „Five good reasons to invest“ wie Marktpotenzial, nachhaltige Wachstumstreiber oder die Finanzierung und Governance des Unternehmens reduzieren. Generell gilt: Bei Unternehmen mit einem sehr spezialisierten, komplexen Produkt- und Marktumfeld spielt das Vertrauen der Investoren in das Management und deren Kommunikations- und Investor Relations-Personen eine noch wichtigere Rolle. Deshalb sind nicht eingehaltene Versprechen besonders gefährlich für einen folgenreichen Vertrauensverlust.

*Dr. oec. Thomas Schneckenburger, 47-jährig, ist Principal bei Hirzel.Neef.Schmid.Konsulenten, Zürich. Er unterstützt das Management des Biotechunternehmens Molecular Partners, Zürich-Schlieren, im Bereich der Investor Relations seit dessen Börsengang im November 2014. Der Diplom Wirtschaftsingenieur der Universität Karlsruhe hat an der Universität St. Gallen im Bereich Supply Chain Management doktoriert und überdies die Ausbildung zum Chartered Financial Analyst (CFA) durchlaufen. Seine beruflichen Stationen umfassen die Leitung der Investor Relations namhafter Unternehmen sowie die Tätigkeit als Finanzanalyst bei der Deutschen Bank und der UBS für Schweizer Small und MidCaps.